Das Beerdigungsinstitut Greif bleibt, der Namensgeber geht.

Kurt Greif übergibt seinen Familienbetrieb offiziell im Juli 2021 an seinen Mitarbeiter Florian Seim

 

Bereits 1993 kam Kurt Greif als Tischlermeister in den Familienbetrieb nach Ockershausen. Da war er 27 Jahre alt. Nur wenige Jahre später wurde er Chef als sein Vater Hans Georg plötzlich starb. Jetzt, 55-Jährig, und mit fast 28 Jahren als Inhaber gibt er das Unternehmen weiter. 

Wann ist der richtige Zeitpunkt aufzuhören oder ein Geschäft weiterzugeben? Kurt Greif, der keine Nachkommen hat, die den 88-jährigen Familienbetrieb weiterführen können, stellte sich ebenfalls diese Frage. Er nutzte die Gunst der Stunde. „Ich empfinde es als den richtigen Zeitpunkt aufzuhören und es an einen jungen und motivierten Menschen weiterzugeben“, sagt Kurt Greif zu seinem Schritt.  Mit seinem 35-jährigen Mitarbeiter Florian Seim hat er, wie er sagt, genau den Richtigen gefunden, der die Verantwortung für diese sehr wert- und anspruchsvolle Arbeit fortführen kann und dabei die Tradition und Arbeit eines alten Familienbetriebes würdigt, aber auch mit modernen Lösungen auf den zunehmenden Bedarf an individuellen Beerdigungen eingeht. Seim, der insgesamt seit zwölf Jahren im Bestatterhandwerk tätig ist, ist gelernte Bestattungsfachkraft und steht kurz vor der Prüfung zum Bestattermeister, er ist bereits schon seit eineinhalb Jahren als Mitarbeiter bei Kurt Greif tätig gewesen. In dieser Zeit hat er viel von seinem Chef gelernt.

Florian Seims Motivation ist es, anders als Nachfolger in Familienbetrieben, die Entscheidung für diesen Beruf /diese Berufung als bewusst eigene Entscheidung zu treffen, mit Einfühlungsvermögen und Herzblut bei der Sache zu sein.

 „Alles bleibt so wie es ist, auch der Name“, sagt Kurt Greif. Schließlich sei dieser gewissermaßen auch eine Marke. So ganz zurückziehen wird er sich allerdings doch nicht. „Selbstverständlich werde ich meinen Nachfolger tatkräftig mit meinem Erfahrungsschatz unterstützen“, so der Bestattungsprofi, dem es nun leichter fällt, einen Schritt zurückzutreten. Schließlich habe er in den fast drei Jahrzehnten eine sehr interessante und intensive Zeit gehabt, in der er viele charaktervolle Menschen und tiefgründige Situationen hat erleben können. Aber auch der stetige Umbau sowie der Ausbau von einer Schreiner zu einem Beerdigungsinstitut hat den fachgeprüften Bestatter viel Freude bereitet.

Mit ihm bekam die Bestattungssparte in der Firma immer mehr Gewicht, wie er sagt. „Es kamen immer mehr Bestattungsaufträge hinzu, so dass immer weniger Zeit für die Schreinerei blieb“, erklärt Kurt Greif. Darüber hinaus besuchte er Lehrgänge zum fachgeprüften Bestatter und andere Fortbildungen. Schließlich sei der Beruf des Bestatters ein umfassendes Feld. Das zweigleisige Arbeiten als Tischler und Bestatter fand damit nach sechs Jahren ein Ende. Dadurch wurde Greif aber auch flexibler. Der Service von A (wie Antrag) bis Z (wie Zeitungsannonce) bei einem Trauerfall nahm immer mehr zu. Zudem erweiterte er ständig die Ausstattung seines Bestattungsinstitutes. 

Es kam eigens ein Kühl- und Aufbahrungsraum sowie auch Ausstellungsräume, in denen die Särge und Urnen auf angemessene und ansprechende Art präsentiert werden. 2002 legte Kurt Greif die Prüfung zum Fachgeprüften Bestatter ab. 

Nun aktuell ist das Bestattungsinstitut in Ockershausen nochmals umgebaut worden, so dass neue Räume für das persönliche Beratungsgespräch, eine Ausstellung für Särge und Urnen sowie eine eigene Trauerhalle für individuelle Gedenkfeiern entstanden sind.

„Ich bin für diese Zeit bis heute dankbar. Auch in erster Linie, dass die Familie mich voll unterstützt hat und natürlich auch meine Mitarbeiter“, sagt Kurt Greif. Ein wenig wehmütig ist ihm dabei schon, das spürt man, aber die Freude darüber einen guten Nachfolger zu finden, überwiegt. „Man muss den richtigen Zeitpunkt zum Absprung schaffen“, ist Greif überzeugt.